Dürfen Christen ein gesundes Selbstwertgefühl haben?

Was ist ein gesundes Selbstwertgefühl überhaupt?

Ein Mensch der seinen eigenen Wert erkennt und schätzt, hat ein gesundes Selbstwertgefühl. Ein Mensch der seinen eigenen Wert negiert und sich selbst für wertlos hält, hat ein schwaches Selbstwertgefühl. [1]

Dieses Thema (Selbstwertgefühl) spielt bei allen Menschen eine Rolle. Denn es ist oftmals ein schwaches Selbstwertgefühl, das dafür sorgt, dass man „Probleme“ bekommt. Damit ist gemeint, dass Menschen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben, anfälliger für negative Einflüsse sind. Nehmen wir als Beispiel Terrorgruppen: Anführer dieser Gruppen haben es oft bei Personen leichter, die ein schwaches Selbstwertgefühl haben.

Ähnliches trifft auch auf Glaubensgemeinschaften zu, die einen negativen Einfluss auf Menschen haben. Es ist oftmals ein geringes Selbstwertgefühl, das Menschen dort hinführt und dafür sorgt, dass sie sich nicht von ihnen lösen können. Diese Menschen denken leider, dass sie es nicht anders verdient haben oder messen sich keinen großen Wert zu und denken, dass das alles der Wille Gottes sei, obwohl sie innerlich total unglücklich sind.

Wenn wir ein gutes Selbstwertgefühl besitzen, dann bedeutet dies: wir glauben, liebenswert und wertvoll zu sein – trotz der Schwächen und Fehler, die wir haben. [2]

Gerade Christen sollten ein gesundes Selbstwertgefühl haben, da das Werk Jesu doch zur Versöhnung mit Gott, unserem himmlischen Vater, führt:

Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! (Römer 8,15)

So waren auch wir, als wir Unmündige waren, unter die Elemente der Welt versklavt; als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit er die loskaufte, die unter dem Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen. Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater! (Galater 4,3-6)

Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Und wir sind es. (1. Johannes 3,1)

Das Evangelium ist von Liebe und Versöhnung geprägt. Das heißt nicht, dass man hochmütig, stolz oder selbstverliebt sein soll. Nein, sicher nicht. Es bedeutet, seinen Wert vor Gott durch Christus zu erkennen und die Liebe Gottes anzunehmen:

…denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. (Römer 5,5)

Wenn also jemand Grund hat, ein gesundes Selbstwertgefühl zu haben, dann sind es Christen. Wie gesagt, das hat nichts mit Hochmut oder Selbstsucht zu tun. Es geht darum, nicht zu einer Angriffsfläche des Bösen zu werden und unter negativen bzw. boshaften Einflüssen zu stehen.

Jesus selbst ist übrigens das beste Beispiel dafür, ein gesundes Selbstwertgefühl zu haben. Er ließ sich auch nicht von den religiösen Eliten unterbuttern oder von ihren selbst gemachten Lehren, Dogmen und Regeln beeindrucken. Er wusste, wofür er bestimmt war und welchen Wert er in den Augen des himmlischen Vaters hatte. Deshalb ließ er sich auch nicht von Pharisäern oder Schriftgelehrten davon abbringen, das zu tun, was Gott ihm zeigte.

Durch das Werk Christi wurde die Beziehung zwischen Gott und den Menschen geheilt. Wir brauchen keinen Priester mehr, der für uns vor Gott einsteht oder vermittelt. Das macht Jesus. Und somit ist unsere Beziehung zu Gott von keiner Kirche, Gemeinde und keinem „Guru“ abhängig.

Manche Christen tun sich schwer mit dem Begriff „Selbstwertgefühl“, weil sie einen Widerspruch zu den folgenden Worten Jesu vermuten:

Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach! (Lukas 9,23)

Hier geht es Jesus darum, dass man nicht selbstsüchtig sein soll, indem man seine eigenen Begierden hinten anstellt. Und das ist genau richtig. Selbstsucht macht auch keinen Menschen glücklich. Sie zerstört Menschen regelrecht. Diese Worte Jesu stehen aber nicht im Gegensatz zu einem gesunden Selbstwertgefühl.

Gerade Glaubensgemeinschaften, die Menschen stark unter Druck setzen und von ihnen verlangen, der Gemeinschaft oder ihren Lehren gegenüber „gehorsam“ zu sein, fördern jedoch ein negatives Selbstbewusstsein. Auch in Verbindung mit Depressionen spielt das eine entscheidende Rolle.

Ein Mensch der sich selbst als jemanden wahrnimmt, der Wert zu einer Gemeinschaft beisteuert, hat meist auch ein höheres Selbstwertgefühl. Ein Mensch, der sich fühlt, als sei er für sein eigenes Leben selbst verantwortlich, fühlt sich auch imstande, etwas an seinen Umständen zu ändern. Auch bedeutet dies, sich selbst anzunehmen – mit allen seinen Fehlern und Makeln. Das heißt nicht, dass man sich mit dem zufrieden gibt, was man erreicht hat und was man ist – es heißt vielmehr, sich nicht selbst durch einen emotionalen Fleischwolf zu drehen, weil man nicht perfekt ist. [3]

Wenn jemand ein geringes Selbstwertgefühl hat, kann er daran arbeiten. Es ist dann wichtig zu wissen, was ursächlich dafür ist. Sehr häufig hat das mit der Kindheit zu tun:

Wer in seiner Kindheit geliebt wurde, das Gefühl hatte, willkommen zu sein und erlebt hat, dass man ihm etwas zutraut, der tut sich meist leichter, von seinem Selbst-Wert überzeugt zu sein.

Wer dagegen im Kindesalter ständig kritisiert, abgelehnt, gehänselt oder missbraucht wurde und viele Misserfolgserlebnisse hatte, hat eher ein mangelndes Selbstwertgefühl, da er denkt, nicht in Ordnung zu sein.

Und genau diesen Schaden möchte Gott durch Jesus heilen, indem er uns zeigt, welchen Wert wir für ihn haben:

Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. (1. Johannes 4,9)

Einen zu diesem Thema passenden Vortrag hat Hans Peter Royer gehalten:


[1] Minderwertigkeitskomplexe: Was ist Selbstwertgefühl; http://www.minderwertigkeitskomplexe.com/was-ist-selbstwertgefuhl

[2] Dr. Rolf Merkle: Selbstwertgefühl; https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/selbstwertgefuehl.html

[3] Minderwertigkeitskomplexe: Was ist Selbstwertgefühl; http://www.minderwertigkeitskomplexe.com/was-ist-selbstwertgefuhl

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4 Gedanken zu “Dürfen Christen ein gesundes Selbstwertgefühl haben?

  1. Hallo Benjamin, ich finde den Artikel sehr gut und habe ihn ‚gerebloggt‘ auf hoffnungsschoepfer.wordpress.com. Hoffe, das ist OK. Ich kann ihn auch wieder löschen. VG, Miriam

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